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Es ist wieder soweit… Männerkongress in Düsseldorf geht in die dritte Runde

Am 19. und 20. September hat, wie bereits seit 2010 alle zwei Jahre, der sogenannte „Männerkongress“ an der Universität Düsseldorf stattgefunden – diesmal unter dem Titel

„Angstbeißer, Trauerkloß, Zappelphilipp? – Seelische Gesundheit bei Männern und Jungen“

Bereits in den letzten Jahren nutzten die Veranstalter der Männerkongresse das durchaus nachvollziehbare und berechtigte Anliegen, die Auswirkungen von Geschlechterstereotypen, die einerseits zunehmend hinterfragt werden, gleichzeitig aber nach wie vor Bestand haben, auf insbesondere Jungen* und männliche* Heranwachsende, zu beleuchten, um antifeministischen Positionen eine Plattform zu bieten.

Dagegen formierte sich im Jahre 2012 ein von einem Bündnis verschiedenster Gruppen getragener Protest, der von Informationsmaterialien und -ständen begleitet war, die darauf hinwiesen, wen sich die Veranstalter da ins Boot holten: führende Vertreter einer Männerrechtsbewegung, die nicht davor zurückschreckt, feministische Errungenschaften wie bspw. Frauenhäuser zu verunglimpfen, Kampagnen gegen Homosexuelle zu starten und ihre Ansichten in rechten Publikationen zu veröffentlichen. Durch den Protest ist es gelungen, diesen Kritikpunkte eine breite Öffentlichkeit zu verschaffen.

Das entschiedene Auftreten gegen diese Positionen scheint nun Früchte getragen zu haben. So ist der klar antifeministische agens e.V. nicht länger als Kooperationspartner genannt und anstatt die führenden Vertreter der deutschen Männerrechtsbewegung einzuladen, sitzen nun auch immerhin vereinzelte Frauen auf dem Podium. Während dieses Programm eine deutliche Verbesserung zu den letzten Jahren darstellt, treten mit Ralf Bönt und Walter Hollstein nach wie vor prominente Anhänger von Thesen, wie sie auch in der Männerrechtsbewegung aufgegriffen werden, auf.

So hat die Autorenlesung von Ralf Bönt – eine von drei möglichen Abendveranstaltungen im Rahmen des Männerkongress – sicher auch zumindest Auszüge aus seinem aktuellsten Buch „Das entehrte Geschlecht – ein notwendiges Manifest für den Mann“ enthalten. In diesem argumentiert der Autor, dass Männer* inzwischen schlechter gestellt sein, indem er die Situation sozial hoch positionierter, gebildeter Frauen* – die alltägliche sexuelle Belästigung wischt er kurzerhand als Probleme, die individuell und nicht gesellschaftlich zu lösen seien, weg – mit der aller Männer* vergleicht. Dafür beruft er sich häufig auf einzelne prominente Beispiele, ohne zu erkennen, dass gerade ihre Sichtbarkeit verdeutlicht, dass es sich eben um Ausnahmefälle statt die Regel handelt.

Die Situation von Frauen*, die nicht nur aufgrund des Geschlechts, sondern auch aufgrund von Klassismus oder Rassismus diskriminiert werden, blendet Bönt völlig aus.

Walter Hollstein, der die öffentlichkeitswirksame Aufgabe übernahm, den Eröffnungsvortrag zu halten, plädiert in seinen Vorträgen und Schriften regelmäßig für eine „Rekonstruktion“ eines Männlichkeitsbildes, in dem Eigenschaften eine wichtige Rolle zukommen soll, die er als Jungen und Männern eigen vorstellt, wie „Wettbewerb, Leistungsstreben oder Autonomie“. Er wirft „dem Feminismus“ vor, Frauen* einseitig in rein positivem Licht darzustellen, welches sie als unfehlbar erscheinen lässt, während Männer* angeblich pauschal abgewertet würden.

Zwar ist es zu verurteilen, dass Hollstein in nicht haltbaren Vorstellungen von „weiblichen“ und „männlichen“ Eigenschaften verhaften bleibt und feministischen Bewegungen ihre Berechtigung abspricht, aber er führt auch drängende Probleme an, die durchaus eine intensive Debatte verlangen:

das Hinterfragen und Ablegen jeglicher einengender Geschlechterrollen – für Frauen*, Männer*, Trans*, Inter*, Queer*, für alle !

Die Besetzung auf dem Podium des Männerkongresses ist also immer noch gespickt mit Sexisten, die der Männerrechtsbewegung nahe stehen. Auf Basis konservativer Rollenvorstellungen, also Idealen, bei denen es genau zwei hierarchisch voneinander getrennte Geschlechter gibt, lässt sich keine moderne Kindererziehung aufbauen. Solange der Männerkongress in Düsseldorf sein Programm mit reaktionären und homophoben Podiumsspechern besetzt, ist er uns ein Dorn im Auge! Wir fordern die Veranstalter dazu auf, sich kritisch zu diesen Referenten zu positionieren und in Zukunft von Positionen der Anhänger der Männerrechtsbewegung zu distanzieren!

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